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Rudolf Grote als Pastor in den Ruhestand verabschiedet

Was haben die Betonung von guter Nachbarschaft, der Ausdruck für eine Begeisterung für die eigene Sache, viele gute Worte und besonders ein roter Pullover gemeinsam?
Sie waren Bestandteil der Verabschiedung von Rudolf Grote. Nach 22 Jahren als Gemeindepastor in der St. Johannisgemeinde in Göttingen wurde Pastor Grote am 22. Januar 2012 mit einem Festgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Viele Gemeindeglieder aber auch zahlreiche Kollegen, Gäste aus Politik, Wirtschaft und der Ökumene füllten die St. Johanniskirche. Die Göttinger Stadtkantorei zusammen mit Bernd Eberhardt gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Pastor Grote hatte sich die Buxtehude Kantate „Alles was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen Jesu und danket Gott und dem Vater durch ihn“ gewünscht. In seiner Predigt machte Pastor Grote noch einmal deutlich, was für ihn in seiner Arbeit als Pastor bedeutend war: Die Einmischung von Kirche immer dann, wenn politisches Handeln dies erforderlich macht, diakonisches Handeln auch an Fremden und die Verkündigung der frohen Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi.

Rudoöf Grote

Superintendent Selter würdigte in seiner Verabschiedung und Entpflichtung aus dem Amt das langjährige Wirken von Pastor Grote in der St. Johannisgemeinde in Göttingen, aber auch gleichzeitig als Pastor der größten Innenstadtkirche. Pastor Grote habe durch seine Gottesdienste zu besonderen Anlässen, z.B. im Zusammenhang mit dem Golfkrieg aber auch durch die Vermittlung und Gestaltung von Ausstellungen in der St. Johanniskirche Akzente gesetzt. Unter Beteiligung aller Pastoren der Innenstadtregion und des Kirchenvorstandes wurde Pastor Grote dann unter persönlichen Segenswünschen von seinem Amt als Pastor der St. Johannisgemeinde entpflichtet.

KiKirchenvorstand

Mit einer "Sprechmotette" würdigte der Kirchenvorstand die Arbeit Grotes. Auf dem Foto fehlt krankheitsbedingt Rainer Freudenberg

In dem sich anschließenden Empfang, der wegen der zahlreichen Gäste in der Kirche stattfand, wurde in vielen Grußworten die Arbeit von Pastor Grote noch einmal ausführlich gewürdigt.

So dankte zunächst Oberbürgermeister Meyer Pastor Grote für seine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Göttingen. Dass eines der Wahrzeichen der Stadt Göttingen, die beiden Türme von St. Johannis heute nach wie vor das Stadtbild in der bekannten Weise prägen, dies nicht zuletzt auch nach dem verheerenden Brand vor sieben Jahren, sei auch der Verdienst von Pastor Grote.
Pater Hösl von der St. Michaels Gemeinde und Pastor Buitkamp würdigten das Engagement von Pastor Grote für Ökumenische Zusammenarbeit. Herr Götz, einer der leitenden Ingenieure bei der Restaurierung der Türme aber dann auch beim Wiederaufbau nach dem Brand betonte die Verdienste von Pastor Grote im Zusammenhang mit diesen Bauarbeiten, insbesondere sein Engagement gerade auch für die Interessen der Kirchengemeinde in der Erhaltung dieses Baues und einer optimalen Nutzung.

Storz

In diversen weiteren Grußworten verabschiedeten sich ehemalige Mitarbeitende aus der St. Johannisgemeinde und Pastor Storz von St. Jacobi sprach für die Innenstadtpastoren von Pastor Grote und betonte die gewachsene intensive Zusammenarbeit in der Innenstadt.
Im Anschluss bedankte die St. Johannisgemeinde sich nochmals bei ihrem Pastor für 22 Jahre intensive Arbeit auf den unterschiedlichsten Gebieten: Neben Mitgliedern der Göttinger Stadtkantorei, die sich mit einer Hymne von „Rudolf mit dem roten Pullover“ nicht nur vom Pastor, sondern auch von ihrem freundschaftliche verbundenen Mitsänger verabschiedete, trat auch der Kirchenvorstand in Aktion.

stein Zum Abschied erhielt Pastor Grote von ihm ein sehr persönliches Geschenk für seinen Garten: zwei Steine aus den Türmen der Johanniskirche, die nicht mehr verwendet werden konnten, mit der Gravur eines Bibelverses und der Türme der St. Johanniskirche zum Andenken an seine Arbeit. Die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes Frau Just würdigte nochmals die verschiedenen Gaben, die Pastor in seiner Arbeit an St. Johannis eingebracht hatte bevor Herr Steinmetz mit einem Abschiedslied und allen Anwesenden diesen Tag beschloss.Es war ein insofern ein wehmütiger Tag, weil ein Abschied immer weh tut und die Ungewissheit, wie es mit dem Pfarramt weitergeht, auch traurig stimmt. Es war aber auch ein schöner Tag, der verdeutlichte, wie vielfältig die lange und intensive Arbeit von Pastor Grote an St. Johannis war. Die Dinge, die an diesem Tag angesprochen wurden, sind auch nur Momente der Arbeit, die sich in vielen kleinen Dingen gezeigt hat und zeigen wird. Für 22 Jahre als Pastor an St. Johannis sagen wir nochmals herzlichen Dank und wünschen Gottes Segen, für die kommende Zeit.

 

rudolf + Susane

Text: Ulrike Schmidt-Glawatz Fotos: Jürgen Seebode und Werner Zores

 

Werner Zores als Baubeauftragter verabschiedet

Nach über zwölfjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit wurde Werner Zores im Gottesdienst am 2. Sonntag nach Epiphanias verabschiedet. Er habe den Heizungsbauingenieur als engagierten Berater schätzen gelernt, sagte Pastor Rudolf Grote in seiner Laudatio: „ ein Freund des offenen Wortes und dabei sehr verlässlich. Wenn wir Herrn Zores darum baten, sich um eine Reparatur zu kümmern, dann konnten wir sicher sein, dass dies klar ging – von der Planung über die Ausführung durch die Handwerker bis zur Vorlage von ihm geprüfter Rechnungen.“

Zu seinen Aufgabengebieten gehörte nicht nur die Kirche, sondern auch das Gemeindezentrum und das ehemalige Pfarrhaus am Stargarder Weg. Nicht nur beim Bau der neuen Heizungsanlage in der Kirche war Zores ein wichtiger Berater. Auch wenn es um neue Fenster und Dacheindeckung ging.

Für den Kirchenvorstand war Zores in Fachfragen eine wichtige Entlastung. Renate Just als stellvertrtende Vorsitzende übergab ihm als Dank ein großformatiges Foto der Johanniskirche. Jürgen  Seebode überreichte Zores einen Abguss eines Engelkopfes von unserem mittelalterlichen Sakramentshäuschen.    



Text und Foto: Rainer Freudenberg

 

Bibel keine "wörtliche Gebrauchsanweisung" für die Politik

Ruppert, Bundestagsabgeordneter der FDP und kirchenpolitischer Sprecher seiner Fraktion

Als Christ dürfe man sich nicht aus der politischen Verantwortung heraushalten, sagte Stefan Ruppert, Bundestagsabgeordneter der FDP und kirchenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Der promovierte Jurist war der fünfte Gast in der Veranstaltungsreihe "Christen in der Politik" in St. Johannis. Auch wenn die Bibel keine "wörtliche Gebrauchsanweisung" für die Politik sei, bestimme sie sein Handeln. Ruppert belegte dies mit vielen Zitaten von Kollegen und aus der Bibel.

Politik sei für Christen kein unwürdiges Geschäft. Aber die Politik sei auch nicht die Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln, fügte der Liberale hinzu. Paulus habe schon gesagt, man solle für die politischen Machthaber beten. Doch könne die Politik nicht den "Himmel auf Erden" erzeugen, sie könne nur die Situation verbessern.

Die ergebe sich auch aus dem biblischen Auftrag "machet Euch die Welt Untertan", fuhr Ruppert fort. Laut Luther ist der Christenmensch Niemanden Untertan und zitierte Paulus, dass man Niemanden verpflichtet sei, außer der Liebe untereinander. Laut unserer Verfassung handele man vor Gott verantwortlich. Stolz sei Ruppert, zu einer Fraktion zu gehören, die im höchsten Prozentsatz kirchlich engagiert sei. Die FDP sei die "evangelischste Fraktion" auch wenn Parteichef Phillip Rösler zum Deutschen Zentralkomitee der Katholiken gehöre.

Noch nie habe er die Absicht gehabt, seine Kirche zu verlassen, auch wenn er häufig mit ihr hadere. Auf Nachfrage machte das Ruppert an zwei Dingen fest. Zu schnell würde ein "moralisches Urteil" gesprochen, wo im Rat der EKD nur Grüne und Sozialdemokraten säßen. Das zweite wäre das kirchliche Arbeitsrecht. Der Jurist kritisierte das fehlende Streikrecht, selbst wenn keiner der Beschäftigten einer Kirche angehöre.

Kritik übte Ruppert auch am aktuellen Kurs seiner Partei. Das Liberale verenge sich auf ökonomische Fragestellungen. Dabei wollten die Liberalen eine "Vermenschlichung des Staates". In der Politik gebe es nicht immer "die eine richtige Entscheidung". Er lobe auch immer eine Idee der Opposition, so käme es zu Frieden stiftenden Kompromissen.

Er persönlich, sagte Ruppert, sei kein Visionär. Die sei nicht sein Naturell. Er habe Spaß am "Klein-klein" der Politik. Er zehre von "klitzekleinen Erfolgen" in Gesetzgebungsverfahren. Seine persönliche Aufgabe sehe er "mehr im Maschinenraum als in der Öffentlichkeit" schloss der Politiker seinen Vortrag.

Rainer Freudenberg


Thomas Oppermann: "Getauft, konfirmiert, rebelliert"


Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion zu Gast an St. Johannis

Seit dem 11. September gibt es für Thomas Oppermann einen fundamentalen Konflikt, den Kampf der Kulturen und den islamischen Terrorismus. Doch für den parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion ist Fundamentalismus kein isoliertes Problem. Wenn etwa der früherer US-Präsident George W. Bush bestimmte politische Entscheidungen damit als unumkehrbar begründet habe, die habe diese Entscheidung im Gebet erfahren, sei die auch Fundamentalismus. Deutschland habe sich damals gegen den Irakkrieg gestellt.
Für Oppermann war der Irakkrieg unrechtmäßig. Basierend auf falschen Tatsachen und gefälschten Beweisen. Die Folgen dieser "größten Dummheit", Al Quai da und die Taliban seien gestärkt worden. Ebenso sei der Iran zur Großmacht aufgestiegen und die Sicherheit Israels massiv verschlechtert. Entscheidungen treffe Oppermann auch als Christ, gegen fundamentalistische Standpunkte.


Die Bibel sei für ihn - Johannes Rau folgend - kein Rezept für politisches Handeln. Er, Oppermann, sei in einer christlichen Familie in Südniedersachsen aufgewachsen: "Getauft, konfirmiert und rebelliert". So sei er Folgen der Erfahrungen mit der Wehrdienstverweigerung mit 18 aus der Kirche ausgetreten. Die Kirche sein für ihn Teil des Establishments gewesen. Doch mit dem Älterwerden stellten sich die Sinnfragen. Vor fünf Jahren sei er wieder in die Kirche eingetreten.
Oppermann sei dankbar, in einer Welt zu leben, deren Existent wissenschaftlich nicht zu erklären sei. Und die Kirche stärke diese Welt durch Diakonie, Gebet und Predigt. Mit Sorge betrachte er die "Erudierung christlicher Werte in unserer Gesellschaft" dies gefährde den demokratischen Rechtsstaat. Diese könne nur funktionieren, wenn die Werteordnung überzeuge. "Werte kann man nicht anordnen oder befehlen", sagte Oppermann.
Auch die Politik brauche ein Wertefundament aus Toleranz, Nächstenliebe und Schutz der Schwächeren, ergänzte der SPD-Politiker. Für Christen in der Politik gelte der Artikel 38 des Grundgesetzes, der Freiheit des Gewissens. Das Gewissen sei die Urteilsbasis und moralische Norm für Entscheidungen. Martin Luther sei vom Gewissen geprägt gewesen als er auf dem Reichstag in Worms sagte: "Hier steh ich nun und kann nicht anders".
Klassische Gewissensentscheidungen sind für Oppermann immer die Fragen nach Krieg oder Frieden sowie Leben oder Tod. Die Entscheidung. Ob die Präimplantationsdiagnostik in gewissen Grenzen anwendbar sei, wäre für ihn nicht "Irgendeine Frage" gewesen. Dies ginge einher mit der Frage wann beginne das Leben. Für ihn nicht mit der Befruchtung sondern mit der Einpflanzung in der Gebärmutter. Aber mit dem "Designerbaby" sei die rote Linie überschritten. Er habe sich die Entscheidung schwer gemacht und die Religion ihm nicht geholfen.
Als weiteres Beispiel für Gewissensentscheidungen nannte Oppermann den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, eine "Staatenbildung mit militärischer Gewalt". Da zahle er mit einer "Gewissensentscheidung" gegen die Mehrheit der Fraktion einen hohen Preis, nämlich dem Ende seiner politischen Karriere. Militärische Einsätze seien das "Billigen des Tötens". Zu Zeiten des kalten Krieges habe noch das Prinzip der Nichteinmischung gegolten. Dies bedeute aber auch "keine Intervention bei schweren Menschenrechtsverletzungen". Heute gäbe es die "Schutzverantwortung der Gemeinschaft", dies sei in der Libyenfrage deutlich geworden.
Die SPD habe heute, so Oppermann, mit 73 Prozent Kirchenmitgliedern mehr als der Bundedurchschnitt mit 60 Prozent. Aber zu Zeiten Bismarcks seien die Kirchen auf der Seite des Throns gewesen und somit war die Kirche kein Platz für die SPD. Der protestantische Flügel der SPD sein aus der Bekennenden Kirche hervor gegangen. Die SPD sei die Partei der "Freiheit des Geistes" ergänzte Oppermann: "Dass SPD und Kirchen zusammen gekommen seien, ist erst in einem demokratischen Rechtsstaat möglich gewesen."
Rainer Freudenbergs

Der konziliare Prozess als Anker der Politik

Stefan Wenzel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag

Die Hoffnung auf Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung sind für Stefan Wenzel die zentrale Herausforderung der Kirchen. Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/die Grünen im niedersächsischen Landtag war zu Gast an St. Johannis in der Veranstaltungsreihe "Christen in der Politik". Die evangelische Kirche sei da eine progressive Kraft. Dagegen vermittle die katholische Kirche mit dem Papst als Stellvertreter Gottes ein völlig anders Weltbild.



Jesus habe ein völlig anderes Gottesbild gehabt, sagte Wenzel. Die katholische Kirche habe eine "Konzernstruktur" und die habe mit der Urkirche wenig gemein. Martin Luther habe sich offen mit wichtigen Fragen auseinander gesetzt. Mit seiner Kritik am Ablasshandel habe der Reformator ein "Weltreich ins Wanken gebracht".
Auch die Muslime kennen Spaltungen ergänzte der Grünenpolitiker und zitierte Willigis Jäger, den weltbekannter Benediktiner-Mönch und Zen-Meister, mit dem Satz: " Die großen Weltreligionen sind verschiedene Wege auf denselben Berg". Der studierte Agrarökonom ist davon überzeugt, dass beim Gottesbild die verschiedenen Begriffe dasselbe meinen.
Wenzel stellte auch interessante Fragen: Wie kommen wir zum Frieden? Seiner Meinung nach nicht durch Resolutionen des Weltsicherheitsrates. Die Religionen seien für ihn in zentraler Verantwortung für den Friedensprozess. Mit dem 11. September und seinen Folgen habe es eine Zuspitzung zwischen Christen und Muslimen gegeben. Dies sei aber kein "Kampf der Kulturen". Nur bei der Lösung dürfe man nicht auf die Kirchenleitungen warten.
Zentrales Thema war für Wenzel der konziliare Prozess. "Wenn wir Lebensqualität zerstören, zerstören wir uns. Einstein habe einmal gesagt, wenn die Biene aussterbe dauere es nur drei bis vier Jahre, bis die Umwelt eine andere sei. Wenn mit dem Klimawandel 30 bis 40 Prozent der Arten ausstürben, sei dies bitter für unsere Lebensqualität. Dies sei das Gründungsmotiv der Grünen gewesen.
Die Grünen seien eine Bewegung mit unterschiedlichen Beweggründen. Es gäbe Umweltverbände, die des ökologischen Landbaus und die Anti-Kernkraft-Bewegung, die für ihn sehr kirchlich geprägt sei. Der konziliare Prozess ist für Wenzel der "Anker der Politik".
Wenzels bedeutendste Frage: "Wie könnte ein Gebet aussehen, das Christen, Juden und Muslime gemeinsam" beten können? Vater unser im Himmel etwa?" Wenzel ließ einiges unbeantwortet. Pastor Rudolf Grote veranlasste dies zum Schlusswort, er habe mehr zum Nachdenken mitgegeben.
Rainer Freudenberg

"Ob wir ein atheistische Partei sein wollen, müssen wir klären"

Bodo Ramelow, Vorsitzender der Fraktion Die Linken im Thüringischen Landtag zu Gast

Wenn der Atheismus als Grundsatz ins Parteiprogramm aufgenommen werde, sei dies für ihn ein Grund zum Parteiaustritt, sagte Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender der Partei "Die Linke" im Thüringer Landtag, in der Veranstaltungsreihe "Christen in der Politik" in der Göttinger St. Johannis-Gemeinde. "Ob wir ein atheistische Partei sein wollen, müssen wir klären", ergänzte der Politiker. Er ließe sich in Parteiprogrammen nicht vorschreiben, was er zu denken habe.


Sein Handeln leite er aus dem Paulus-Satz ab "Handele nicht aus Eigennutz sondern in der Demut achte einer den anderen höher als sich selbst". Als Christ mit Westbiographie sei er schon ein Exot beschreibt Ramelow seinen persönlichen Werdegang. Er stamme - 1956 geboren - aus einer traditionsreichen Pastorenfamilie. Als gelernter Lebensmittelkaufmann habe er früh Kontakt zur Gewerkschaft gehabt, deren Nähe zur SPD aber habe er abgelehnt. Hauptamtlich sei er dann Sekretär bei der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) geworden. Die DKP oder DFU sei ihm damals unbekannt gewesen. "Politisch" sei er durch die Friedensbewegung und die Atompolitik geworden. Der DDR-Standpunkt, die dortige Atompolitik sei sicher, weil sie nicht durch die Profitgier der Konzerne gesteuert werde, habe er misstraut.
Der Kampf der Kali-Kumpel in Bischofferode um den Erhalt ihre Zeche mit der Wende wäre ohne Unterstützung der evangelischen und katholischen Kirche nicht möglich gewesen, sagte Ramelow, seinerzeit für die Gewerkschaft in Thüringen tätig. Die Kollegen habe man nicht mit "gebrochenem Kreuz" in der Niederlage liegen lassen können.
Danach habe er sich entschieden, sagte Ramelow, für die PDS zu kandidieren. Und dies obwohl Christsein im Osten nicht die Normalität sei. Inhaltlich habe sich aber seine Partei von der SED gelöst. Christen wurden schließlich schikaniert. Heute heiße aber Religionsfreiheit auch, sich nicht in die Religionsausübung einzumischen. Religion sei nie ein Teil eines Problems, sondern Teil der Lösung.
Mit seiner Vorrednerin Lieberknecht sei er sich in der Frage des Atomausstieges einig. "Dafür habe ich ihr im Landtag Beifall gezollt".
Rainer Freudenberg

 

"Wer in der Morgenandacht zusammen betet..."

Christiane Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Landes Thüringen zu Gast in Göttingen

Göttingen. "Wer in der Morgenandacht zusammen betet, geht auch in der politischen Debatte entsprechend miteinander um" erklärte Christiane Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Landes Thüringen ihr politisches Credo. Die CDU-Politikerin sprach zum Auftakt der Reihe "Christen in der Politik" im gut gefüllten Gemeindesaal der evangelisch-lutherischen St. Johannisgemeinde in Göttingen. "Wir wollen Politiker verstehen, die sich als Christen verstehen", sagte eingangs Rudolf Grote, Pastor der Gemeinde.
Die "Freiheit des Christenmenschen", so Lieberknecht, sei ihr Leitmotiv; Niemandem Untertan im Glauben, aber in der Liebe. So habe sie sich auch verstanden, als sie unter den Bedingungen einer Diktatur aufgewachsen sei. Schon zu DDR-Zeiten sein sie als Pastorin in die CDU eingetreten und habe sich an Reformbewegungen beteiligt, auch wenn die CDU "keine Schaltstelle der Gesellschaft" gewesen sei.
Die Freiheit, die sie gewollt habe, sei im konziliaren Prozess, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung begründet. Und dies heiße auch bürgerliche Freiheit. Gewaltlosigkeit sei immer die Prämisse gewesen. So habe die untergegangene DDR-Führung nicht zu Unrecht später erklärt. " Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten". Dies habe sie bis heute geprägt.

Gegen Verstrahlung gibt es keine Technologie


Auch die aktuelle Diskussion um die Energiepolitik ließ Lieberknecht nicht aus. Wenn man der CDU vorwerfe, sie habe gerade einen "180-Grad-Schwenk" gemacht, sei der aus der Erkenntnis entstanden, das sogenannte Restrisiko sei nun eingetreten. Gegen Verstrahlung gäbe es keine Technologie. Die Grünen hätten in den vergangenen Wochen damit glaubhaft mobilisiert, weil sie diese Frage schon lange bearbeitet hätten.
Politik, fuhr die Ministerpräsidentin fort, müsse den Menschen eine Identität bieten. Die Bewahrung der Schöpfung verlange aber außer Leidenschaft auch Augenmaß. Und in diesem Punkt, würden die Grünen oft irreale Forderungen stellen. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise hätten 75 Prozent der Bevölkerung das Vertrauen in die Menschen der Politik verloren. Die sei für sie ein "dramatischer Wert". Als Christ wisse sie aber auch, der Mensch sei fehlbar, Trotzdem müsse Verantwortung für einander übernommen werden.
Vor ihrem Amt als Ministerpräsidentin war Lieberknecht auch Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Thüringen. Kein präsidiales Amt für sie sondern "als Frau die Ärmel hochkrempeln und in die Kampfarena". Ihren Bischof habe sie seinerzeit gebeten, sie und ihre politischen Gegner Christoph Matschi (SPD) und Bodo Ramelow (Linke)von Zeit zu Teil zum Gespräch einzuladen, um Frieden unter den drei Christen zu stiften. Ramelow ist übrigens der nächste Gast in dieser Veranstaltungsreihe, am Donnerstag, den 12. Mai.
Rainer Freudenberg

Klausurtagung des Kirchenvorstandes
Wie können wir eine volle Pfarrstelle halten?

Die Zukunft unserer Gemeinde stand im Mittelpunkt einer Klausurtagung des Kirchenvorstandes im Jugendgästehaus in Duderstadt. Nach dem aktuellen Entwurf des Stellenplanungsausschusses des Kirchenkreistages stehen der Region Göttingen Innenstadt Kürzungen bevor. Für die Innenstadtregion soll eine Pfarrstelle wegfallen. Mit der Pensionierung von Pastor Rudolf Grote ist allerdings zunächst unsere Gemeinde betroffen, da alle anderen Pfarrstellen besetzt bleiben.

Die vorläufigen Planungen des Stellenplanungsausschusses sehen die Einsparung einer ganzen Pfarrstelle im Innenstadtbereich (St. Albani, Corvinus, St. Jakobi, Marien und Thomas) vor. Da die übrigen Pfarrstellen in der Innenstadt besetzt sind, besteht durchaus die Gefahr, dass - wenn der Kirchenkreistag im Herbst diesen Jahres den endgültigen Stellenrahmenplan beschließt - die Einsparvorgabe des Stellenplanungsausschusses durch die Vakanz der Pfarrstelle von St. Johannis "umgesetzt" wird.

Dies ist für die St. Johannisgemeinde nicht akzeptabel, denn die Arbeit in der St. Johannisgemeinde und in der St. Johanniskirche muss aus Sicht des Kirchenvorstandes fortgeführt werden.

So haben sich die Mitglieder des Kirchenvorstandes intensiv darüber Gedanken gemacht, wie hier zumindestens eine halbe Pfarrstelle für die gemeindliche Arbeit an St. Johannis auch zukünftig sichergestellt werden kann und darüber hinaus verschiedene Denkmodelle entwickelt, wie die übrigen Aktivitäten an St. Johannis, die unter dem Stichwort "kirchliche Arbeit für die Region und den Kirchenkreis" gestaltet werden kann. Die Johanniskirche ist die größte Kirche im Kirchenkreis. In ihr finden viele übergemeindliche Aktivitäten statt: Herausragende Konzerte, Veranstaltungen des Kirchenkreises wie z.B. der traditionelle Johannisempfang, bedeutende Ausstellungen und vieles mehr.

So wird es Aufgabe sein, zum einen ein Stellenprofil zu erstellen für gemeindebezogene Arbeit an St. Johannis, gleichzeitig aber auch Ideen zu entwickeln, wie evtl. weiteren Arbeitsgebiete an St. Johannis intensiviert gefördert werden können.

Im Ergebnis ist der Kirchenvorstand zu der Überzeugung gekommen, dass alles daran gesetzt werden muss, im Rahmen der Stellenplanungsdiskussion dafür Sorge zu tragen, dass nicht mit der Pensionierung von Pastor Grote durch eine Nichtwiederbesetzung der Pfarrstelle die pastorale Arbeit an St. Johannis aufhört.

Der Kirchenvorstand ist sich bewusst, dass eine sofortige Wiederbesetzung der Pfarrstelle sicherlich kaum möglich sein wird und deshalb mit einer Vakanzzeit zu rechnen ist. Für diese Vakanzzeit hat der Kirchenvorstand Ideen gesammelt, wie auch in dieser Zeit dann ein aktives kirchliches Leben an St. Johannis möglich sein wird.

Die bevorstehende Kirchenvorstandswahl macht es möglich, aber auch nötig, in der St. Johannisgemeinde Menschen zu finden, die bereit sind, zusammen mit einem "neuen Pastor/Pastorin" die Zukunft zu planen und zu gestalten. So ist es verstärkt Aufgabe, hier in den nächsten Wochen und Monaten Kandidaten zu suchen. Wenn ihnen Menschen einfallen, die diese Arbeit mitgestalten wollen, dann setzen Sie sich bitte mit Pastor Grote oder Kirchenvorstehern in Verbindung. Vielleicht sind Sie auch selber bereit dazu!

Trotz aller Probleme, die evtl. auf die St. Johannisgemeinde zukommen ist der Kirchenvorstand zuversichtlich, hier eine konstruktive und für die St. Johannisgemeinde gute Lösung auch bei einer Neubesetzung der Pfarrstelle zu finden.

 
 

 

Eine Information der Johannisgemeinde aktualisiert 01.02.2012 webmaster