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Werner Zores als Baubeauftragter verabschiedet
Nach über zwölfjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit
wurde Werner Zores im Gottesdienst am 2. Sonntag nach Epiphanias
verabschiedet. Er habe den Heizungsbauingenieur als engagierten
Berater schätzen gelernt, sagte Pastor Rudolf Grote in seiner
Laudatio: „ ein Freund des offenen Wortes und dabei sehr verlässlich.
Wenn wir Herrn Zores darum baten, sich um eine Reparatur zu kümmern,
dann konnten wir sicher sein, dass dies klar ging – von der
Planung über die Ausführung durch die Handwerker bis zur
Vorlage von ihm geprüfter Rechnungen.“
Zu seinen Aufgabengebieten gehörte nicht nur die Kirche, sondern
auch das Gemeindezentrum und das ehemalige Pfarrhaus am Stargarder
Weg. Nicht nur beim Bau der neuen Heizungsanlage in der Kirche war
Zores ein wichtiger Berater. Auch wenn es um neue Fenster und Dacheindeckung
ging.
Für den Kirchenvorstand war Zores in Fachfragen eine wichtige
Entlastung. Renate Just als stellvertrtende Vorsitzende übergab
ihm als Dank ein großformatiges Foto der Johanniskirche. Jürgen
Seebode überreichte Zores einen Abguss eines Engelkopfes von
unserem mittelalterlichen Sakramentshäuschen.

Text und Foto: Rainer Freudenberg
VERABSCHIEDUNG VON PASTOR RUDOLF GROTE
Nach fast 23-jähriger Tätigkeit an unserer St. Johanniskirche wird Pastor Rudolf Grote am 22. Januar 2012 in den Ruhestand verabschiedet. Beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst am Sonntag erzählten mir Gottesdienstbesucher, wie sie Pastor Grote vermissen werden. Sie sprachen von den erbaulichen Predigten, bei denen selbst aus sperrigen Predigttexten lebendige Worte werden. Mit großem Engagement für ein friedliches Miteinander vermittelt Pastor Grote der Gemeinde die christliche Botschaft.
Voller Freude erinnerten sich einige an die schönen Gemeindefahrten nach Spiekeroog oder an den Bodensee. Mit einem Kleinbus steuerte Pastor Grote die Reisegruppe durchs Land und die Ferienzeit ging immer viel zu schnell vorüber. Bei der Konfirmandenfreizeit unseres Sohnes stellte Pastor Grote seinen Privat-Pkw zur Verfügung. Unser autobegeisterter Filius bewunderte die breiten Winterreifen des Wagens und unterhielt Pastor und Mitkonfirmanden mit seinen Kenntnissen über Vor- und Nachteile der verschiedenen Marken –und zwar so nachhaltig, dass ein Teil der Konfirmationspredigt sich darauf bezog, wie ein alltäglicher Gegenstand so große Begeisterung hervorrufen kann.
Von Dankbarkeit sprachen die Gottesdienstbesucher. Dankbar sind sie Pastor Grote für die Zuwendung und menschliche Wärme, die er in Begegnungen und Gesprächen vermittelt hat. Auch die Besuche zu runden Geburtstagen erfreuten viele Gemeindemitglieder. Dankbar ist auch der Kirchenvorstand der St. Johannisgemeinde. All die Jahre hat Pastor Grote als Vorsitzender den Kirchenvorstand geleitet und mit Umsicht die vielfältigen Aufgaben bewältigt.
Eine besondere Herausforderung stellte sich im Jahr 2000, als die Sanierung der Kirchtürme von St. Johannis erforderlich wurde. Nach langwierigen Verhandlungen erreichte Pastor Grote die Finanzierung und Durchführung dieser dringenden Maßnahme. Er begleitete die Arbeiten an den Türmen in allen Phasen und war häufig auf dem Gerüst in schwindelnder Höhe zu finden. Kurz vor dem Abbau der Einrüstung zerstörte der Brand am 23. Januar 2005 den Nordturm unserer Kirche.
Fassungslos sah auch Pastor Grote wie die Spitze des Turmes abgenommen werden musste, damit das Kirchendach und umliegende Gebäude nicht ebenfalls beschädigt wurden. Schon am nächsten Tag nahm Pastor Grote Gespräche mit der Versicherung auf und bald stand fest, dass der Nordturm am Ende des Jahres wieder errichtet sein würde.
Lieber Herr Pastor Grote, die Gemeinde und der Kirchenvorstand von St. Johannis verabschieden sich von Ihnen mit großer Dankbarkeit und wünschen Ihnen Gottes Segen.
Renate Just
Bibel keine "wörtliche Gebrauchsanweisung" für
die Politik
Ruppert, Bundestagsabgeordneter der FDP und kirchenpolitischer
Sprecher seiner Fraktion
Als Christ dürfe man sich nicht aus der politischen Verantwortung
heraushalten, sagte Stefan Ruppert, Bundestagsabgeordneter der FDP
und kirchenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Der promovierte
Jurist war der fünfte Gast in der Veranstaltungsreihe "Christen
in der Politik" in St. Johannis. Auch wenn die Bibel keine
"wörtliche Gebrauchsanweisung" für die Politik
sei, bestimme sie sein Handeln. Ruppert belegte dies mit vielen
Zitaten von Kollegen und aus der Bibel.
Politik sei für Christen kein unwürdiges Geschäft.
Aber die Politik sei auch nicht die Fortsetzung der Religion mit
anderen Mitteln, fügte der Liberale hinzu. Paulus habe schon
gesagt, man solle für die politischen Machthaber beten. Doch
könne die Politik nicht den "Himmel auf Erden" erzeugen,
sie könne nur die Situation verbessern.
Die ergebe sich auch aus dem biblischen Auftrag "machet Euch
die Welt Untertan", fuhr Ruppert fort. Laut Luther ist der
Christenmensch Niemanden Untertan und zitierte Paulus, dass man
Niemanden verpflichtet sei, außer der Liebe untereinander.
Laut unserer Verfassung handele man vor Gott verantwortlich. Stolz
sei Ruppert, zu einer Fraktion zu gehören, die im höchsten
Prozentsatz kirchlich engagiert sei. Die FDP sei die "evangelischste
Fraktion" auch wenn Parteichef Phillip Rösler zum Deutschen
Zentralkomitee der Katholiken gehöre.
Noch nie habe er die Absicht gehabt, seine Kirche zu verlassen,
auch wenn er häufig mit ihr hadere. Auf Nachfrage machte das
Ruppert an zwei Dingen fest. Zu schnell würde ein "moralisches
Urteil" gesprochen, wo im Rat der EKD nur Grüne und Sozialdemokraten
säßen. Das zweite wäre das kirchliche Arbeitsrecht.
Der Jurist kritisierte das fehlende Streikrecht, selbst wenn keiner
der Beschäftigten einer Kirche angehöre.
Kritik übte Ruppert auch am aktuellen Kurs seiner Partei.
Das Liberale verenge sich auf ökonomische Fragestellungen.
Dabei wollten die Liberalen eine "Vermenschlichung des Staates".
In der Politik gebe es nicht immer "die eine richtige Entscheidung".
Er lobe auch immer eine Idee der Opposition, so käme es zu
Frieden stiftenden Kompromissen.
Er persönlich, sagte Ruppert, sei kein Visionär. Die
sei nicht sein Naturell. Er habe Spaß am "Klein-klein"
der Politik. Er zehre von "klitzekleinen Erfolgen" in
Gesetzgebungsverfahren. Seine persönliche Aufgabe sehe er "mehr
im Maschinenraum als in der Öffentlichkeit" schloss der
Politiker seinen Vortrag.
Rainer Freudenberg
Thomas Oppermann: "Getauft, konfirmiert, rebelliert"
Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion
zu Gast an St. Johannis
Seit dem 11. September gibt es für Thomas Oppermann einen
fundamentalen Konflikt, den Kampf der Kulturen und den islamischen
Terrorismus. Doch für den parlamentarischen Geschäftsführer
der SPD-Bundestagsfraktion ist Fundamentalismus kein isoliertes
Problem. Wenn etwa der früherer US-Präsident George W.
Bush bestimmte politische Entscheidungen damit als unumkehrbar begründet
habe, die habe diese Entscheidung im Gebet erfahren, sei die auch
Fundamentalismus. Deutschland habe sich damals gegen den Irakkrieg
gestellt.
Für Oppermann war der Irakkrieg unrechtmäßig. Basierend
auf falschen Tatsachen und gefälschten Beweisen. Die Folgen
dieser "größten Dummheit", Al Quai da und die
Taliban seien gestärkt worden. Ebenso sei der Iran zur Großmacht
aufgestiegen und die Sicherheit Israels massiv verschlechtert. Entscheidungen
treffe Oppermann auch als Christ, gegen fundamentalistische Standpunkte.

Die Bibel sei für ihn - Johannes Rau folgend - kein Rezept
für politisches Handeln. Er, Oppermann, sei in einer christlichen
Familie in Südniedersachsen aufgewachsen: "Getauft, konfirmiert
und rebelliert". So sei er Folgen der Erfahrungen mit der Wehrdienstverweigerung
mit 18 aus der Kirche ausgetreten. Die Kirche sein für ihn
Teil des Establishments gewesen. Doch mit dem Älterwerden stellten
sich die Sinnfragen. Vor fünf Jahren sei er wieder in die Kirche
eingetreten.
Oppermann sei dankbar, in einer Welt zu leben, deren Existent wissenschaftlich
nicht zu erklären sei. Und die Kirche stärke diese Welt
durch Diakonie, Gebet und Predigt. Mit Sorge betrachte er die "Erudierung
christlicher Werte in unserer Gesellschaft" dies gefährde
den demokratischen Rechtsstaat. Diese könne nur funktionieren,
wenn die Werteordnung überzeuge. "Werte kann man nicht
anordnen oder befehlen", sagte Oppermann.
Auch die Politik brauche ein Wertefundament aus Toleranz, Nächstenliebe
und Schutz der Schwächeren, ergänzte der SPD-Politiker.
Für Christen in der Politik gelte der Artikel 38 des Grundgesetzes,
der Freiheit des Gewissens. Das Gewissen sei die Urteilsbasis und
moralische Norm für Entscheidungen. Martin Luther sei vom Gewissen
geprägt gewesen als er auf dem Reichstag in Worms sagte: "Hier
steh ich nun und kann nicht anders".
Klassische Gewissensentscheidungen sind für Oppermann immer
die Fragen nach Krieg oder Frieden sowie Leben oder Tod. Die Entscheidung.
Ob die Präimplantationsdiagnostik in gewissen Grenzen anwendbar
sei, wäre für ihn nicht "Irgendeine Frage" gewesen.
Dies ginge einher mit der Frage wann beginne das Leben. Für
ihn nicht mit der Befruchtung sondern mit der Einpflanzung in der
Gebärmutter. Aber mit dem "Designerbaby" sei die
rote Linie überschritten. Er habe sich die Entscheidung schwer
gemacht und die Religion ihm nicht geholfen.
Als weiteres Beispiel für Gewissensentscheidungen nannte Oppermann
den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, eine "Staatenbildung
mit militärischer Gewalt". Da zahle er mit einer "Gewissensentscheidung"
gegen die Mehrheit der Fraktion einen hohen Preis, nämlich
dem Ende seiner politischen Karriere. Militärische Einsätze
seien das "Billigen des Tötens". Zu Zeiten des kalten
Krieges habe noch das Prinzip der Nichteinmischung gegolten. Dies
bedeute aber auch "keine Intervention bei schweren Menschenrechtsverletzungen".
Heute gäbe es die "Schutzverantwortung der Gemeinschaft",
dies sei in der Libyenfrage deutlich geworden.
Die SPD habe heute, so Oppermann, mit 73 Prozent Kirchenmitgliedern
mehr als der Bundedurchschnitt mit 60 Prozent. Aber zu Zeiten Bismarcks
seien die Kirchen auf der Seite des Throns gewesen und somit war
die Kirche kein Platz für die SPD. Der protestantische Flügel
der SPD sein aus der Bekennenden Kirche hervor gegangen. Die SPD
sei die Partei der "Freiheit des Geistes" ergänzte
Oppermann: "Dass SPD und Kirchen zusammen gekommen seien, ist
erst in einem demokratischen Rechtsstaat möglich gewesen."
Rainer Freudenbergs
Der konziliare Prozess als Anker der Politik
Stefan Wenzel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag
Die Hoffnung auf Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung
sind für Stefan Wenzel die zentrale Herausforderung der Kirchen.
Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/die Grünen im
niedersächsischen Landtag war zu Gast an St. Johannis in der
Veranstaltungsreihe "Christen in der Politik". Die evangelische
Kirche sei da eine progressive Kraft. Dagegen vermittle die katholische
Kirche mit dem Papst als Stellvertreter Gottes ein völlig anders
Weltbild.

Jesus habe ein völlig anderes Gottesbild gehabt, sagte Wenzel.
Die katholische Kirche habe eine "Konzernstruktur" und
die habe mit der Urkirche wenig gemein. Martin Luther habe sich
offen mit wichtigen Fragen auseinander gesetzt. Mit seiner Kritik
am Ablasshandel habe der Reformator ein "Weltreich ins Wanken
gebracht".
Auch die Muslime kennen Spaltungen ergänzte der Grünenpolitiker
und zitierte Willigis Jäger, den weltbekannter Benediktiner-Mönch
und Zen-Meister, mit dem Satz: " Die großen Weltreligionen
sind verschiedene Wege auf denselben Berg". Der studierte Agrarökonom
ist davon überzeugt, dass beim Gottesbild die verschiedenen
Begriffe dasselbe meinen.
Wenzel stellte auch interessante Fragen: Wie kommen wir zum Frieden?
Seiner Meinung nach nicht durch Resolutionen des Weltsicherheitsrates.
Die Religionen seien für ihn in zentraler Verantwortung für
den Friedensprozess. Mit dem 11. September und seinen Folgen habe
es eine Zuspitzung zwischen Christen und Muslimen gegeben. Dies
sei aber kein "Kampf der Kulturen". Nur bei der Lösung
dürfe man nicht auf die Kirchenleitungen warten.
Zentrales Thema war für Wenzel der konziliare Prozess. "Wenn
wir Lebensqualität zerstören, zerstören wir uns.
Einstein habe einmal gesagt, wenn die Biene aussterbe dauere es
nur drei bis vier Jahre, bis die Umwelt eine andere sei. Wenn mit
dem Klimawandel 30 bis 40 Prozent der Arten ausstürben, sei
dies bitter für unsere Lebensqualität. Dies sei das Gründungsmotiv
der Grünen gewesen.
Die Grünen seien eine Bewegung mit unterschiedlichen Beweggründen.
Es gäbe Umweltverbände, die des ökologischen Landbaus
und die Anti-Kernkraft-Bewegung, die für ihn sehr kirchlich
geprägt sei. Der konziliare Prozess ist für Wenzel der
"Anker der Politik".
Wenzels bedeutendste Frage: "Wie könnte ein Gebet aussehen,
das Christen, Juden und Muslime gemeinsam" beten können?
Vater unser im Himmel etwa?" Wenzel ließ einiges unbeantwortet.
Pastor Rudolf Grote veranlasste dies zum Schlusswort, er habe mehr
zum Nachdenken mitgegeben.
Rainer Freudenberg
"Ob wir ein atheistische Partei sein wollen, müssen
wir klären"
Bodo Ramelow, Vorsitzender der Fraktion Die Linken im
Thüringischen Landtag zu Gast
Wenn der Atheismus als Grundsatz ins Parteiprogramm aufgenommen
werde, sei dies für ihn ein Grund zum Parteiaustritt, sagte
Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender der Partei "Die Linke"
im Thüringer Landtag, in der Veranstaltungsreihe "Christen
in der Politik" in der Göttinger St. Johannis-Gemeinde.
"Ob wir ein atheistische Partei sein wollen, müssen wir
klären", ergänzte der Politiker. Er ließe sich
in Parteiprogrammen nicht vorschreiben, was er zu denken habe.

Sein Handeln leite er aus dem Paulus-Satz ab "Handele nicht
aus Eigennutz sondern in der Demut achte einer den anderen höher
als sich selbst". Als Christ mit Westbiographie sei er schon
ein Exot beschreibt Ramelow seinen persönlichen Werdegang.
Er stamme - 1956 geboren - aus einer traditionsreichen Pastorenfamilie.
Als gelernter Lebensmittelkaufmann habe er früh Kontakt zur
Gewerkschaft gehabt, deren Nähe zur SPD aber habe er abgelehnt.
Hauptamtlich sei er dann Sekretär bei der Gewerkschaft Handel,
Banken und Versicherungen (HBV) geworden. Die DKP oder DFU sei ihm
damals unbekannt gewesen. "Politisch" sei er durch die
Friedensbewegung und die Atompolitik geworden. Der DDR-Standpunkt,
die dortige Atompolitik sei sicher, weil sie nicht durch die Profitgier
der Konzerne gesteuert werde, habe er misstraut.
Der Kampf der Kali-Kumpel in Bischofferode um den Erhalt ihre Zeche
mit der Wende wäre ohne Unterstützung der evangelischen
und katholischen Kirche nicht möglich gewesen, sagte Ramelow,
seinerzeit für die Gewerkschaft in Thüringen tätig.
Die Kollegen habe man nicht mit "gebrochenem Kreuz" in
der Niederlage liegen lassen können.
Danach habe er sich entschieden, sagte Ramelow, für die PDS
zu kandidieren. Und dies obwohl Christsein im Osten nicht die Normalität
sei. Inhaltlich habe sich aber seine Partei von der SED gelöst.
Christen wurden schließlich schikaniert. Heute heiße
aber Religionsfreiheit auch, sich nicht in die Religionsausübung
einzumischen. Religion sei nie ein Teil eines Problems, sondern
Teil der Lösung.
Mit seiner Vorrednerin Lieberknecht sei er sich in der Frage des
Atomausstieges einig. "Dafür habe ich ihr im Landtag Beifall
gezollt".
Rainer Freudenberg
"Wer in der Morgenandacht zusammen betet..."
Christiane Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Landes Thüringen
zu Gast in Göttingen
Göttingen. "Wer in der Morgenandacht zusammen betet,
geht auch in der politischen Debatte entsprechend miteinander um"
erklärte Christiane Lieberknecht, Ministerpräsidentin
des Landes Thüringen ihr politisches Credo. Die CDU-Politikerin
sprach zum Auftakt der Reihe "Christen in der Politik"
im gut gefüllten Gemeindesaal der evangelisch-lutherischen
St. Johannisgemeinde in Göttingen. "Wir wollen Politiker
verstehen, die sich als Christen verstehen", sagte eingangs
Rudolf Grote, Pastor der Gemeinde.
Die "Freiheit des Christenmenschen", so Lieberknecht,
sei ihr Leitmotiv; Niemandem Untertan im Glauben, aber in der Liebe.
So habe sie sich auch verstanden, als sie unter den Bedingungen
einer Diktatur aufgewachsen sei. Schon zu DDR-Zeiten sein sie als
Pastorin in die CDU eingetreten und habe sich an Reformbewegungen
beteiligt, auch wenn die CDU "keine Schaltstelle der Gesellschaft"
gewesen sei.
Die Freiheit, die sie gewollt habe, sei im konziliaren Prozess,
Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung begründet.
Und dies heiße auch bürgerliche Freiheit. Gewaltlosigkeit
sei immer die Prämisse gewesen. So habe die untergegangene
DDR-Führung nicht zu Unrecht später erklärt. "
Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten".
Dies habe sie bis heute geprägt.
Gegen Verstrahlung gibt es keine Technologie

Auch die aktuelle Diskussion um die Energiepolitik ließ Lieberknecht
nicht aus. Wenn man der CDU vorwerfe, sie habe gerade einen "180-Grad-Schwenk"
gemacht, sei der aus der Erkenntnis entstanden, das sogenannte Restrisiko
sei nun eingetreten. Gegen Verstrahlung gäbe es keine Technologie.
Die Grünen hätten in den vergangenen Wochen damit glaubhaft
mobilisiert, weil sie diese Frage schon lange bearbeitet hätten.
Politik, fuhr die Ministerpräsidentin fort, müsse den
Menschen eine Identität bieten. Die Bewahrung der Schöpfung
verlange aber außer Leidenschaft auch Augenmaß. Und
in diesem Punkt, würden die Grünen oft irreale Forderungen
stellen. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise hätten 75 Prozent
der Bevölkerung das Vertrauen in die Menschen der Politik verloren.
Die sei für sie ein "dramatischer Wert". Als Christ
wisse sie aber auch, der Mensch sei fehlbar, Trotzdem müsse
Verantwortung für einander übernommen werden.
Vor ihrem Amt als Ministerpräsidentin war Lieberknecht auch
Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Thüringen.
Kein präsidiales Amt für sie sondern "als Frau die
Ärmel hochkrempeln und in die Kampfarena". Ihren Bischof
habe sie seinerzeit gebeten, sie und ihre politischen Gegner Christoph
Matschi (SPD) und Bodo Ramelow (Linke)von Zeit zu Teil zum Gespräch
einzuladen, um Frieden unter den drei Christen zu stiften. Ramelow
ist übrigens der nächste Gast in dieser Veranstaltungsreihe,
am Donnerstag, den 12. Mai.
Rainer Freudenberg
Klausurtagung des Kirchenvorstandes
Wie können wir eine volle Pfarrstelle halten?
Die Zukunft unserer Gemeinde stand im Mittelpunkt einer Klausurtagung
des Kirchenvorstandes im Jugendgästehaus in Duderstadt. Nach
dem aktuellen Entwurf des Stellenplanungsausschusses des Kirchenkreistages
stehen der Region Göttingen Innenstadt Kürzungen bevor.
Für die Innenstadtregion soll eine Pfarrstelle wegfallen. Mit
der Pensionierung von Pastor Rudolf Grote ist allerdings zunächst
unsere Gemeinde betroffen, da alle anderen Pfarrstellen besetzt
bleiben.
Die vorläufigen Planungen des Stellenplanungsausschusses sehen
die Einsparung einer ganzen Pfarrstelle im Innenstadtbereich (St.
Albani, Corvinus, St. Jakobi, Marien und Thomas) vor. Da die übrigen
Pfarrstellen in der Innenstadt besetzt sind, besteht durchaus die
Gefahr, dass - wenn der Kirchenkreistag im Herbst diesen Jahres
den endgültigen Stellenrahmenplan beschließt - die Einsparvorgabe
des Stellenplanungsausschusses durch die Vakanz der Pfarrstelle
von St. Johannis "umgesetzt" wird.
Dies ist für die St. Johannisgemeinde nicht akzeptabel, denn
die Arbeit in der St. Johannisgemeinde und in der St. Johanniskirche
muss aus Sicht des Kirchenvorstandes fortgeführt werden.
So haben sich die Mitglieder des Kirchenvorstandes intensiv darüber
Gedanken gemacht, wie hier zumindestens eine halbe Pfarrstelle für
die gemeindliche Arbeit an St. Johannis auch zukünftig sichergestellt
werden kann und darüber hinaus verschiedene Denkmodelle entwickelt,
wie die übrigen Aktivitäten an St. Johannis, die unter
dem Stichwort "kirchliche Arbeit für die Region und den
Kirchenkreis" gestaltet werden kann. Die Johanniskirche ist
die größte Kirche im Kirchenkreis. In ihr finden viele
übergemeindliche Aktivitäten statt: Herausragende Konzerte,
Veranstaltungen des Kirchenkreises wie z.B. der traditionelle Johannisempfang,
bedeutende Ausstellungen und vieles mehr.
So wird es Aufgabe sein, zum einen ein Stellenprofil zu erstellen
für gemeindebezogene Arbeit an St. Johannis, gleichzeitig aber
auch Ideen zu entwickeln, wie evtl. weiteren Arbeitsgebiete an St.
Johannis intensiviert gefördert werden können.
Im Ergebnis ist der Kirchenvorstand zu der Überzeugung gekommen,
dass alles daran gesetzt werden muss, im Rahmen der Stellenplanungsdiskussion
dafür Sorge zu tragen, dass nicht mit der Pensionierung von
Pastor Grote durch eine Nichtwiederbesetzung der Pfarrstelle die
pastorale Arbeit an St. Johannis aufhört.
Der Kirchenvorstand ist sich bewusst, dass eine sofortige Wiederbesetzung
der Pfarrstelle sicherlich kaum möglich sein wird und deshalb
mit einer Vakanzzeit zu rechnen ist. Für diese Vakanzzeit hat
der Kirchenvorstand Ideen gesammelt, wie auch in dieser Zeit dann
ein aktives kirchliches Leben an St. Johannis möglich sein
wird.
Die bevorstehende Kirchenvorstandswahl macht es möglich, aber
auch nötig, in der St. Johannisgemeinde Menschen zu finden,
die bereit sind, zusammen mit einem "neuen Pastor/Pastorin"
die Zukunft zu planen und zu gestalten. So ist es verstärkt
Aufgabe, hier in den nächsten Wochen und Monaten Kandidaten
zu suchen. Wenn ihnen Menschen einfallen, die diese Arbeit mitgestalten
wollen, dann setzen Sie sich bitte mit Pastor Grote oder Kirchenvorstehern
in Verbindung. Vielleicht sind Sie auch selber bereit dazu!
Trotz aller Probleme, die evtl. auf die St. Johannisgemeinde zukommen
ist der Kirchenvorstand zuversichtlich, hier eine konstruktive und
für die St. Johannisgemeinde gute Lösung auch bei einer
Neubesetzung der Pfarrstelle zu finden.
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